Ratgeber
Ost-West-Photovoltaik
Zwei Flächen, eine nach Osten und eine nach Westen, erzeugen weniger je Kilowatt-Peak als ein Süddach. Sie verteilen den Strom aber über den Tag. Das Beispiel hat 5 plus 5 Kilowatt-Peak.
Der Azimut zählt von Süden. Ost ist −90 Grad, West ist +90 Grad. Süden ist 0. Eine Ostfläche liefert vor allem am Vormittag, die Westfläche am Nachmittag. Zusammen fehlt die hohe Mittagsspitze eines Süddachs, dafür ist früher und später noch Leistung da. Für einen Haushalt, der morgens und abends verbraucht, passt das oft besser als eine kurze Spitze um die Mittagszeit.
Im Rechner stehen zwei Flächen zu je 5 Kilowatt-Peak (kWp), Neigung 35 Grad, zusammen so viel Nennleistung wie ein größeres Süddach. Der Jahresertrag in Kilowattstunden (kWh) je kWp liegt darunter, weil die Sonne schräger auf die Module trifft. Die Summe kann trotzdem hoch sein, wenn das Dach nun mal nach Ost und West zeigt und die Südseite fehlt oder schon voll ist. Verschattung und Systemverluste stehen unter „Erweitert“, im Beispiel 0 und 14 Prozent.
Der Verbrauch im Beispiel ist 4.500 kWh im Jahr, Profil Berufstätig, ohne Speicher und ohne Auto. So siehst du die Erzeugungskurve unvermischt. Im Monatsdiagramm bleibt der Winter dünn, im Tagesdiagramm für den 21. Juni siehst du zwei Schultern statt einer Spitze gegen 13 Uhr. Der 21. Juni ist ein einzelner Tag des Bezugsjahrs mit dessen Wetter, kein Durchschnitt. Der 21. Dezember zeigt, wie wenig eine flache Wintersonne auf Ost und West noch bringt.
Ohne Speicher geht der Mittagsüberschuss ins Netz. Die Einspeisevergütung ist kleiner als der Arbeitspreis, deshalb ist jede selbst genutzte Kilowattstunde mehr wert als eine eingespeiste. Ost-West hebt diesen Direktverbrauch etwas, weil morgens und abends mehr eigene Leistung da ist. Den Abend nach Sonnenuntergang deckt das nicht. Dafür brauchst du einen Speicher. Den kannst du zuschalten. Die Karte „mit PV + Speicher“ zeigt dann denselben Haushalt mit der Kapazität aus dem Formular.
Die Uhrzeit ist mitteleuropäische Zeit, im Sommer mit Sommerzeit. Die Sonne wird nicht so gerechnet, als wäre 12 Uhr immer der höchste Stand. Das verschiebt die Ostschulter nach vorn und die Westschulter nach hinten. Trübe Tage kommen in Folgen, besonders im Winter. Die Monatssumme der Einstrahlung bleibt trotzdem die Vorgabe des Bundeslands.
Ob Ost-West „schlechter“ ist als Süd, hängt am Dach, nicht an einer festen Prozentzahl. Süd auf gleicher Fläche bringt mehr Ertrag. Ost-West bringt oft mehr nutzbare Stunden und nutzt Dächer, die keinen Südgiebel haben. Kosten im Beispiel: 15.000 Euro. Die Amortisation über 20 Jahre zieht eine Strompreissteigerung und 0,5 Prozent Ertragsverlust je Jahr ein. Das bleibt eine Modellrechnung. Die Annahmen im Wortlaut stehen auf der Startseite.